Thomas Leon Heck

Mein täglicher blick auf 2 reiche

 
Wenn ich in dusslingen auf dem lärmschutzwall an der B 27 stehe, kann ich täglich die burg hohenzollern erblicken und vom selben standpunkt aus die stadt tübingen.
Fast so pittoresk wie neuschwanstein thront im süden die burg auf dem berggipfel. Aber während in bayern nur ein wahnsinniger sich in traumwelten flüchtete, ging von der hechinger burg der aufstieg der grafen von zollern zum regierenden deutschen kaiserhaus aus mit weltmachtambitionen, denen der 1. weltkrieg ein ende setzte, dessen beginn vor genau 100 jahren war.
In nördlicher richtung sehe ich tübingen, dieses zentrum der weltabgeschiedenheit, von dem aus kepler das astronomische weltbild revolutionierte und hegel durch seine wirkung auf marx die welt veränderte. Auch die genetik nahm hier ihren anfang. Nicht zu reden von anderen tübingern wie alzheimer und weiteren namen, die die gelehrte welt kennt wie melanchthon, hölderlin, butenandt.
Während mein hund gleichgültig auf den wall kackt, kann ich nicht sagen: „Ich scheiß’ auf all das.“ Im gegenteil – es fasziniert mich. und 20 meter hinter dem wall lagern auf meinen 3000 qm die reliquien aus diesen 2 welten, geschichte und wissenschaft, die der mahlstrom der zeiten übrig gelassen hat. Es ist noch genug.

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neulatein. gedichte v. joh. secundus, paris 1748, mit orig.einband bezeichnet "Seltmann" (wohl der eigentümer), 2 gemälde von j. schimmel: dekoratives früchtestilllleben + landschaft, brief v. Alkmar von Kügelgen
ca 1 000 ansichtskarten an Friedrich Aichinger, Jahrgang 1930 und später Fachschulrat in einer Stuttgarter Sehbehindertenschule sowie gründungsmitglied der christian-wagner-gesllschaft, plakette 1912 des juweliers klein, stuttgart, gegr. 1862
porträt einer lesenden biedermeier-dame, dat. 1880, sign. "m. Autenrieth" (wohl der mannheimer maler)